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Auf meine Kosten....

die große Markthalle Wer als Weißer auf den Grand Marché in Ouagadougou geht, findet sich, meist noch bevor er die Markthalle überhaupt betreten hat, von einer ganzen Schar von „Brüdern“ umringt.

 

 

 

Zwischen bunt gemusterten Stoffballen, traditionellen Schmuckläden, aufgeschnittenen Rindern und Plastikramsch aus aller Welt kommen sie herbeigeeilt um ihn willkommen zu heißen, ihn ihrer Freundschaft zu versichern und ihn durch das Markttreiben zu begleiten.

Die meisten Brüder haben ein Burkina Faso-Trikot dabei und besitzen ein Geschäft, das ihrem Herzensfreund nicht vorenthalten bleiben darf. Ganz gleich, ob jener die Begeisterung über die Bruderschaft teilt, wird es seinen Brüdern recht bald in den Sinn kommen, dass ihr Trikot doch ein treffliches Reiseandenken für ihn sei. Falls er anderer Meinung ist, werden sie ihm ein Sortiment anderer möglicher Souvenirs zeigen und versichern, ihm, weil er ja ihr Bruder ist, einen "guten Preis" zu machen – was aus ihrer Sicht ohne Frage stimmt. Manche Brüder nehmen Touristen ohne mit der Wimper zu zucken das zehnfache ab, was ein Burkinabè zahlen würde. Einer meiner Brüder auf dem Grand Marché, mit dem ich gut zwanzig Minuten um den Preis einiger Postkarten gefeilscht hatte, stellte es raffinierter an: Nachdem wir bei einer, wie ich glaube, ganz vernünftigen Summe angelangt waren, freute er sich derart über unser brüderliches Einvernehmen, dass er wünschte, eine Cola auf meine Gesundheit zu trinken. Auf meine Kosten, versteht sich.

 

Auf meine Kosten will man überhaupt viel Gutes tun. Eines Abends erschien in der Wohngemeinschaft, in der ich lebe, ein Bruder, der behauptete, unser Nachbar zu sein. Nachdem er uns begrüßt und ausgiebig dafür gewürdigt hatte, dass wir keine Franzosen sind, lud er uns zu einem zweiwöchigen Fest ein, dass alle Bewohner unseres Viertels würde. Er schlug uns vor, zum feierlichen Anlass, wie es Brauch sei, eine Kleinigkeit zum Wohl der Kinder beizutragen und einen Fußball für das Viertel zu stiften. Da wir uns einig waren, dass man sich den Bräuchen afrikanischer Nachbarschaft anpassen müsse, willigten wir ein. Unser Bruder zeigte sich davon tief bewegt. Um ja zu vermeiden, dass man unsere Großzügigkeit und Solidarität dadurch missbrauche, uns einen falschen Preis abzuverlangen, erbot er sich, das Geld für den Ball zu nehmen und ihn an unserer Stelle zu kaufen. Wir gaben ihm also jeder 5000 Francs CFA (ca. 7,50 Euro), was bei fünf Volontären eine für burkinische Verhältnisse höchst stattliche Summe ergibt, und schrieben dazu auf Wunsch unseres Bruders einen Zettel, auf dem wir unseren Beitrag festhielten – der Transparenz wegen: „Wir, die jungen Deutschen des Viertels, sind sehr glücklich, das Viertel mit 25000 Francs CFA für einen neuen Fußball unterstützen zu dürfen!“

Unserer Bruder versprach, uns am folgenden Nachmittag zu besuchen, um uns den Fußball zu präsentieren. Erfüllt von dem Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, verabschiedeten wir uns.

Als er am nächsten Tag nicht erschien, erzählten wir einem Freund von unserer Vereinbarung. Er brach in Gelächter aus: „Ihr werdet diesen Fußball nie zu Gesicht bekommen!“

Wie unbeholfen man sich anstellt, geht einem leider erst hinterher auf.

So entwickle ich eine Abwehrhaltung gegen jeden, der mich anspricht. Erzählt mir ein Künstler im Restaurant von seiner Vereinigung zur Hilfe von Straßenkindern, antworte ich einsilbig, um mich bloß in nichts zu verwickeln; lädt mich in der Bar jemand ein, von seinem Kaffee zu trinken, lehne ich skeptisch ab. Dabei ist es hier ganz normal, Essen und Trinken mit Fremden zu teilen. Einmal setzte sich jemand zu mir an den Tisch und wollte meinen Reis probieren. Missmutig ließ ich ihn gewähren. Daraufhin lud er mich auf eine Citronnade ein, eine selbstgemachte säuerliche Limonade, gab mir mehrere Hirsebiere und einen Whiskey aus und zeigte mir sein Haus.

Eine andere wunderbare Begegnung hatte ich mit einem Künstler, der mir eine CD verkaufte. Der Preis war sicherlich zu hoch, aber am nächsten Tag lud mich mein neu gewonnener Freund zum Mittagessen ein. Seitdem bin ich öfters bei ihm, diskutiere mit ihm, lasse mir von seiner Organisation mit all' ihren Schwierigkeiten erzählen und lutsche Ingwer-Bonbons, während er Cannabis raucht.

Dann wieder sind da diese anderen. Musiker einer Tanzbar, die mich beiseite nehmen, mir ein gutes neues Jahr mit reichlich Liebe, Erfolg und Gottes Segen wünschen und dann allesamt auf meine Gesundheit trinken wollen. Wieder einmal auf meine Kosten.

Ich habe entschieden abgelehnt. Aber war das richtig?

Was entgeht mir durch mein Misstrauen? Wann stoße ich Mitmenschen vor den Kopf? Wo verletze ich die Gebote der anderen Kultur? Bleibe ich mir selbst treu, der ich doch aufgeschlossen, freundlich und großzügig sein möchte? Und hätte ich vielleicht nicht dauernd Durchfall, wenn ich meine hiesigen Brüder etwas öfter auf meine Gesundheit trinken ließe?

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