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Burkinas wilder Osten

 Irgendwie gehört es ja dazu, wenn man in Afrika ist: Eine Safari! Der Spießer, der sich einmal als Abenteurer fühlen möchte, indem er auf der Terrasse seines Luxusbungalos aus wilde Tiere anschaut - dieses Klischee vom Safari-Touristen hat mich zunächst davon abgehalten, einen der drei großen Nationalparks in Ost-Burkina-Faso zu besuchen. Ich hatte aber auch das Klischee, dass, wer Afrika bereist hat, mindestens einen Elefanten gesehen haben muss.
Also verbrachte ich das Osterwochenende in Burkinas wildem Osten, im Parc National du W, an dem auch Benin und Niger einen Anteil haben. Samstag um vier Uhr morgens brach ich mit meinem Chauffeur auf. Der Weg bis Diapaga, dem letzten größeren Ort vor dem Nationalpark ist weit und besteht zu über sechzig Kilometern aus einer rotstaubigen Piste. Bei über vierzig Grad im Schatten im nicht klimatisierten Landrover nicht eben ein Genuss! Um kurz nach eins in Diapaga angekommen, quartierte ich uns in einem mehr oder minder preiswerten Hotel ein, wo wir auch zu Mittag aßen und den Verantwortlichen einer Öko-Guide-Association, hervorgegangen aus einer italienischen Initiative, trafen, von dem ich mir erhofft hatte, er werde uns einen Guide vermitteln, mit dem wir eine Abend- und eine Morgentour machen würden.
Das stellte sich als Unmöglichkeit heraus, weil der Nationalpark noch eine gute Stunde Fahrt entfernt lag und eine Rückkehr bzw. Hinfahrt im Dunkeln ob der holprigen Piste und der im Osten zahlreichen Straßenräuber zu gefährlich war. Wollten wir den Park besichtigen, erklärte der sehr freundliche und bemühte Verantwortliche der Öko-Guide-Association, müssten wir im dortigen Campement nächtigen, was gut 25 Euro pro Nacht kosten würde. Das ist für burkinische Verhältnisse happig – also setzte ich mich, wie so oft, wenn mir etwas zu teuer ist, als mittellosen Volontär in Szene, was auch diesmal von Erfolg gekrönt war: Es gebe einen „Posten“ am Eingang des Nationalparks, wo wir in Zelten à drei Euro pro Nacht, schlafen könnten, um am nächsten Morgen zu unserer Safari aufzubrechen. Bis wir einen Guide gefunden hatten – dessen neonfarbenes T-Shirt mir für die Pirsch durchaus suboptimal schien –, in einem Dorf unsere Verpflegung für den Abend und den kommenden Vormittag (ein kleines, trockenes Baguette pro Person) gekauft, den Posten erreicht und die Formalitäten, d.h. die Entrichtung des Eintrittsgeldes, die Angabe meiner Nationalität, meiner Passnummer, meines Berufes und diverser anderer Merkwürdigkeiten geregelt hatten, war der Tag weitgehend gelaufen. Immerhin war bereits der Posten ganz interessant, wenngleich nicht unter zoologischen Gesichtspunkten: Außer den in Burkina Faso allgegenwärtigen Hühnern und Eseln, liefen nur ein paar ebenfalls allgegenwärtige Eidechsen umher.
Dafür lagen überall Tierschädel herum. Etwa zierte die Fensterbank des Büros, wo ich mich eingeschrieben hatte, ein kleiner Paviankopf, während unter einem Baum ein Elefantenschädel drapiert war. Ich erkundigte mich, woher denn all die Schädel kämen, sei doch die Jagd im Nationalpark verboten. Die Löwen seien es gewesen.
Die Löwen sind jedoch nicht die einzigen, die sich an der Fauna des Parks bedienen. Unter einem Baum am Posten hockten, in sich zusammengesunken, zwei zerlumpte ältere Männer. Mit hohlem Blick starrten sie richtungslos vor sich hin. Die beiden stammten aus dem Benin und waren von den burkinischen Nationalparkwärtern, die jetzt zahlreich bei Popmusik aus einem Kassettenrekorder am Posten herumlungerten, beim Fischen im Park abgefangen und zum Posten gebracht worden. Hier war man gänzlich ratlos, was man mit ihnen anstellen solle, denn niemand verstand ihre Sprache...
Dass die Wilderei im Park sich keineswegs auf ein wenig Fischfang beschränkt, zeigte sich am nächsten Morgen, als wir weiter in den Park vordrangen: Die Tiere waren äußerst scheu. Bereits ein fahrendes Auto verschreckte sie aus einiger Entfernung. Insgesamt hatte die Fahrt wenig mit dem erträumten Safari-Erlebnis in atemberaubender Landschaft mit zahllosen Arten aus nächster Nähe gemein. Statt offener Grassavanne, umgab uns dichtes Buschland, aus dem dann und wann ein Tier über die Piste lief, um gleich wieder von Gras, Unterholz und Gesträuch verschluckt zu werden. Doch immerhin: Lief uns auch kein Löwe über den Weg, wie ich es mir gewünscht hatte, begutachteten wir doch einen von Geiern umkreisten, drei Tage alten Büffel-Kadaver, aus dem faulendes Fleisch stank und trübe Flüssigkeit troff. Ich selbst hielt den Abstand ehrfürchtigen Ekels, derweil unser Guide dem toten Tier munter am Schwanz zog. Außerdem sahen wir den „Grand Calao“, einen knapp storchengroßen, schwarzen Hornvogel mit rotem Höcker über dem Schnabel, Rotaffen, Paviane, Kaffernbüffel, Warzenschweine, Perlhühner, Rebhühner, verschiedene Antilopen und Elefanten. Selbige waren über die Begegnung nicht sehr erfreut, jedenfalls rannte ein Bulle mit abgespreizten Ohren auf unseren Landrover zu. Der Guide fing an zu schreien und mein armer verängstigter Fahrer, der eigentlich Mechaniker ist und Geschäfts wegen oft längere Strecken zurücklegt, aber keineswegs Safari-erfahren ist, fand nur mit einiger Mühe das Gaspedal, um es dann umso energischer zu betätigen. Der Guide forderte ihn nun kichernd auf, den Rückwärtsgang einzulegen, bis der Bulle abermals auf uns zu rannte. Gern hätte der Guide diesen Spaß noch einmal wiederholt, doch der Fahrer und ich zogen es entschieden vor, darauf zu verzichten.
Als wir die Grenze zum Benin erreicht hatten, stiegen wir aus und liefen in brüllender Hitze durch das ausgetrocknete Flussbett des Grenzflusses, dessen beninische Uferböschung wir erklommen. So habe mich eine Viertelstunde illegal im Benin aufgehalten – für den ich eigentlich ein Visum gebraucht hätte. Gegen elf waren wir zurück am Posten, wo noch immer die beiden Wilderer auf ihre Bestrafung harrten. Man werde sie wohl nach Diapaga zur Nationalparkverwaltung bringen, die die Nationalparkwärter im Benin kontaktieren würde, erklärte der Guide. Den beiden drohe eine Strafe von 500000 FCFA (etwa 700 Euro). Niemals werden diese ausgemergelten Fischer solch eine Summe entrichten können...

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