Sie sind hier: Startseite > Reisen > Als Volontär in Burkina Faso > Ouagadougou – Stadt der Erlebnisse

Ouagadougou – Stadt der Erlebnisse

Was mache ich hier eigentlich? Beinahe einen Monat bin ich nun schon in Ouagadougou und noch immer hat die Arbeit am Lycée Zinda Kaboré nicht begonnen. Zwar habe ich das von Mangobäumen beschattete Schulgelände schon durchstreift, zur Büste Philippe Zinda Kaborés, des ersten burkinischen Abgeordneten im Pariser Parlament, empor geschaut und einer Versammlung des Lehrerkollegiums beigewohnt, bei der der Schulleiter unter einer vom Ventilator hin-und hergeschaukelten Papier-Ananas zunächst über Leistungen und Wachstum der Schule räsonnierte, um dann noch einige lustige Anekdoten zum Besten zu geben. An Arbeit aber war nicht zu denken. Wie auch? Hier sind noch Ferien; die Vermutung, die Schule beginne Mitte September, derentwegen mich meine Entsendeorganisation bereits zum Monatsbeginn nach Ouagadougou geschickt hat, entpuppte sich als Irrtum. Tatsächlich beginnt das Schuljahr offiziell am vierten Oktober. Oder am sechsten – der Deutschlehrer, der mein Projekt leitet, ist sich da nicht sicher. So richtig geht es ohnehin erst los, wenn alle das Schulgeld bezahlt haben, was sich bis zum zehnten Oktober hinziehen wird.

Das stört hier aber niemanden. Ebenso wenig wie es stört, dass eine andere Freiwillige, die in der ersten Septemberwoche in ein möbliertes Zimmer im nahen Saponé einziehen sollte, dort nichts als einen leeren Verschlag mit Wellblechdach vorfand, sodass sie zunächst in meiner Wohngemeinschaft in Ouagadougou blieb. Ebenso wenig wie es stört, im Bistro eine dreiviertel Stunde lang seinem Brathähnchen entgegen zu sehnen. Ebenso wenig wie es stört, vier Stunden auf einer Baustelle auszuharren, bis der Erwartete dort eintrifft. Als ich kürzlich mit meinem Projektleiter an einer Straßenkreuzung auf seinen Sohn wartete, brachte er es mit einem afrikanischen Sprichwort auf den Punkt: „Die Europäer haben die Uhr, aber wir haben die Zeit!“

Was aber mache ich hier eigentlich mit meiner Zeit?

Ich habe in Saponé den Abendhimmel bewundert, wie er mit dem samtenen Teppich des Savannengrases im verblassenden Tagesglanz zu verschmelzen schien. Ich habe die Weite des Places de la Nation bestaunt. Ich habe zu den Skulpturen bunter Filmrollen und des Globus aufgeblickt, die sich auf dem Place des Cinéastes und dem Place des Nations Unies aus dem Motorroller-Gewimmel erheben. Ich habe mir im SITHO (Salon International du Tourisme et de l'Hôtellerie de Ouagadougou) reich bestickte Baumwollgewänder, Bilder, Schnitz-und Schmiedekunst zeigen und Heilkräuter gegen Diabetes erklären lassen, habe Baobab-Plätzchen und Tamarindenhonig gekostet.

Das mag für einen Monat dürftig scheinen, doch obschon ich nicht viel gemacht habe, habe ich reichlich erlebt. Erlebnisse macht man sich eben nicht, Erlebnisse wartet man ab. Bislang sind sie von allein gekommen. Zum Beispiel, als meine Mitbewohnerinnen und Mitbewohner mit einem Freund und mir zwei Kühlschränke beschafften, die wir mit einem klapprigen Peugeot-Kleinwagen, in dem wir uns zu siebt drängten, durch die von Schlaglöchern zerfressenen Straßen unseres Viertels Gounghin transportierten. Oder immer, wenn wir auf den Markt gehen, wo die Händlerinnen und Händler nicht nur Obst und Gemüse anpreisen, sondern auch Gewürze, Fahrradreifen, Töpfe, Fleisch, Geschirr, Taschentücher, Suppe, Zigaretten, Stoffe, Gießkannen, Kleidung, Tabletten, Raupen, Haushaltsgeräte, Prepaid-Karten, Messer, geröstete Erdnüsse, Teppiche, Besteck, gedörrte Fische, Schuhe, Mais, Bücher, Kokosnüsse und Aufkleber von Fußballspielern, Barack Obama und Muhammar Gadhafi. Ein anderes mal überraschte mich ein Erlebnis auf dem Heimweg von der Krankenstation Goughins, wo uns regelmäßig unser Arzt empfängt, ein freundlicher Herr in königsblauem Boubou, einem westafrikanischen Gewand, das sich im Fahrtwind bauscht, wenn er Patienten auf seinem Motorroller ins Krankenhaus fährt. Ich hatte gerade zwischen Ziegen und Hühnern die Müllhalde des Viertels überquert, als ich auf eine Prozession trommelnder Männer stieß. Einer von ihnen trat lächelnd auf mich zu, reichte mir die Hand und stellte sich als Ismael vor. Er schlug mir vor, die Prozession zu begleiten, um den König von Gounghin zu begrüßen. Kaum hatte ich mich den Trommelnden angeschlossen, als ich Rodo, einen in Leinen gekleideten jungen Mann kennen lernte. Er erzählte, er sei der Prinz und wohne mit seiner Familie am königlichen Hofe, dem wir gerade entgegen schritten. Zunächst glaubte ich an einen Scherz, doch tatsächlich betraten wir nach einer Weile einen großen Hof, wo auf einer Tribüne ein alter Mann in grün-gelbem Gewand in einem Liegestuhl hing. Zu seinen Füßen hockten weitere Männer, die immer, wenn einer von ihnen sich für eine kleine Ansprache erhob, Beifall klatschten. Rodo nahm mich am Arm, um mich in den Schatten eines mächtigen Affenbrotbaumes zu führen, wo er mich in Burkina Faso willkommen hieß, sich unserer Freundschaft versicherte, mir Djembé-Stunden anbot und mir Kola-Nüsse und Dolo zu probieren gab, ein Hirsebier, das man aus Kalebassen trinkt. Schließlich musste ich mich dem König vorstellen, der auf meine Verbeugung und ein etwas unbeholfenes „Bonjour“ hin wortlos meine Hand nahm. Dann zeigte mir Rodo sein Haus und Ismael selbst angefertigte Ketten. Bevor wir uns voneinander verabschiedeten, beschlossen wir noch, eine „groupe d'amusement“ zu bilden.

Was werde ich da eigentlich machen?

Abwarten. Ein Erlebnis wird es gewiss!

 

Powered by CMSimple_XH | (X)html | css | Login

 

21. Oktober: Ein ganz besonderer Kracher: Pimpy Panda macht Station in Oldenburg. Unterstützungskonzert für BOUMDOUDOUM

21.Oktober 2017: 20.00h, Neues Gymnasium Oldenburg Pimpy Panda

 

 

 

Online Einkauf

Wenn Online einkaufen 

dann bitte

Boumdoudoum unterstützen

 Die Boumdoudoum-AG auf 

 

Kontakt 
Patenschaften Mitgliedschaft Spenden